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Xenoblade Chronicles X - Review-Debatte

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Experiment statt Hochglanz

Maximilian:
In vielerlei Hinsicht wirkt XCX wie ein Machwerk aus vergangenen Tagen. Das Gameplay ist nicht simpel, nicht einfach durchschaubar und man wird nicht allzu sehr an der Hand genommen. Kurzum, der Spieler ist selbst gefordert, sich zurecht zu finden. Das ist für Spieler, die den heutigen Fast Food-Turnus gewohnt sind, unangenehm, für diejenigen, die sich darauf einlassen, jedoch umso lohnender. Es gibt zwei Hauptmöglichkeiten, das Spiel zu bestreiten. Erstere Variante wird in etwa 60 Stunden dauern, darunter ein paar Stunden geistloses Grinden im Kampf gegen beliebige Monster, um die Levelanforderungen der Hauptmissionen freizuschalten. Die andere Variante dauert 120 Stunden und länger. Dafür eröffnet sich dem gewillten Spieler eine detaillierte, liebenswerte Spielwelt voller komplexer, nützlicher Gameplay-Systeme und interessanter Charaktere. Dass man einige Alien-Völker erst in den Nebenmissionen kennen lernt, hatte ich bereits erwähnt. Dass man in den Harmonie-Missionen mehr über die einzelnen Figuren lernt, darf auch nicht unerwähnt bleiben. Dabei gibt es einige Missionen, die gar erst nach Abschluss der Hauptstory anwählbar sind - der Post-Game-Content ist enorm. Dazu gehören auch die einzelnen Gameplay-Systeme, die sich jeweils signifikant auswirken. Bei einem maximal erreichbaren Level von 60 in einem Spiel mit Gegnern bis zu Level 99 muss es das auch geben. Stupides Grinden führt spätestens dann ins Leere. Um nur ein System zu nennen: Durch Augmentationen, die sich in freien Slots von Ausrüstungsgegenständen anbringen lassen, kann man die Stärke seiner Figuren um teilweise das fünffache erhöhen oder aber den Ausweichwert derart in die Höhe treiben, dass man vom Gegner kaum mehr getroffen wird. Spezialwaffen, die durch Harmonie-Missionen freigeschaltet werden können, holen selbst riesige Gegner mit einem einzelnen Treffer vom Himmel. Die Festhalten-Mechanik verschafft eine kurze Verschnaufpause, während der Gegner gefangen gehalten wird. Das sind im Übrigen allesamt Spielmechaniken, die sich auf die Skells, das Herzstück des Spiels, beziehen. Die Figuren selbst können wiederum diverse Klassen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Waffengattungen wählen. Und wenn man sich dann noch an die Kampfrufe wagt,... Zugänglichkeit ist keine der Stärken von Xenoblade Chronicles X. Dafür nährt die Vielfalt an Systemen die Langlebigkeit, ohne den Spieler mit belanglosen Füllinhalten zu konfrontieren.

Sebastian:
In Hinsicht auf die hohe Komplexität von Xenoblade Chronicles X kann ich meinem Kollegen zustimmen, Xenoblade Chronicles X bietet eine ganze Menge Mechaniken, viele kaum erklärt und wer gerne in Menüs herumprobiert und sich überraschen lassen möchte, welche Auswirkungen bestimmte Entscheidungen haben, wer gerne nebenbei Sonden verwaltet um Ressourcen-Einnahmen zu verbuchen, der wird sich über diese Komplexität freuen. Allerdings bin ich auch der Ansicht, dass die Komplexität viel zu oft nur ihrer selbst dienlich ist und kaum mechanische Verbesserungen zur Folge hat. Miranium ist ein Ressource, die man zur Missionserfüllung weitergeben kann, oder die man verwenden kann um seinen Skell zu betreiben, die aber auch automatisch im Viertelstundentakt gutgeschrieben wird. Um die Miranium-Kapazität zu erhöhen, muss man auf der Karte Speichersonden platzieren, andere Sonden erhöhen die finanziellen Einnahmen oder die Miranium-Einnahmen. Ähnliche Detail-Spielereien sind beim Kampfsystem möglich, allerdings steht der Gewinn hier selten in einer Relation zum Aufwand. Ein ähnlicher Fall von Komplexität als Selbstzweck ist mit den von Maximilian bereits angesprochenen Schätzen verbunden. Schätze werden in der Spielwelt durch gelbe Schrift markiert und zudem mit einem gelben Punkt auf der Minikarte gekennzeichnet. Der Spieler kann nun zu den entsprechenden Stellen gehen – in der überwiegenden Zahl der Fälle ist das extrem simpel – muss dann ganz oft A drücken um schließlich irgendeinen Sammelgegenstand aufzulesen. In manchen Fällen – die Maximilian als Rätsel bezeichnet hat – sind die Schätze allerdings ein wenig schwieriger zugänglich. Sehr ärgerlich ist da, wenn man den Weg auf sich genommen hat, nur um festzustellen, dass man hier leider noch nicht A drücken darf. Es gibt nämlich neben dem Charakterlevel und dem Harmonielevel auch noch ein Blade-Level, das durch die Erfüllung von Spielaufgaben steigt. Steigt das Level, kann man einen von drei Wissensbereichen aufleveln. Diese Wissensbereiche dienen nichts anderem, als den Zugang zu den Schätzen zu limitieren. Dass auf der Karte und der Spielwelt die unzugänglichen Schätze aber genauso markiert sind wie sammelbare, nimmt nicht nur jegliche Motivation, schwieriger zugängliche Schätze zu suchen, sondern ist zudem schlichtweg frustrierend. Massiv widersprechen muss ich aber bei der Aussage, das Spiel würde den Spieler nicht mit belanglosen Füllinhalten konfrontieren. Im Gegenteil erweckt das Spiel bisweilen den Eindruck, gar nichts anderes zu sein als Füllinhalt. Beispielhaft seien hierfür einmal zwei Nebenmissionen genauer beschrieben. In einer Mission, die zur Erlangung des ersten Skells notwendig ist, also im Wesentlichen eine Pflichtmission ist, muss der Spieler vier verschiedene Ressourcentypen sammeln. Diese Ressourcen erhält man, indem man in der Welt herumläuft und zufällig auftauchende Kristalle einsammelt. Wo man welche Materialien erhält, ist nicht ersichtlich, eine dieser Ressourcen erhält man komfortabel nur in einem Teil eines Gebietes, der hinter zahlreichen zu dem Zeitpunkt viel zu starken Gegnern gelegen ist. Wenn man sich aber nicht für jeden Gegenstand aufschreibt, wo er zufällig mal aufgepoppt ist, oder dieses Gebiet, das nicht gerade ein idealer Aufenthaltsort zu diesem Zeitpunkt ist, noch nicht kennt, steht man hier vor einem Rätsel der ganz besonderen Art. Die zweite Mission, die als Beispiel für uninteressantes Füllmaterial dienen soll, ist nun rein optional, man soll einer Mitarbeiterin eines Cafés zunächst irgendwelches Material bringen, um eine Kaffeemaschine zu reparieren, anschließend, nachdem sie im Café noch etwas anderes zerstört, läuft sie weg und man muss einmal um den Block laufen, um zum markierten Ort zu gelangen, an dem sie sich aufhält. Missionsende. Nach solch simpel gestrickten, wenig substantiellen Mustern laufen ein Großteil der Missionen ab, für mein Dafürhalten handelt es sich geradezu um konzentriertes Füllmaterial.
 Autor:
Maximilian Edlfurtner / Sebastian Küpper
Testbericht
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Leserwertung:
7.8