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Playa Games über Free To Play-Monetarisierung

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Auf der gamescom hatten wir die Gelegenheit mit Hannes Beuck vom Studio Playa Games zu sprechen. Playa Games ist ein Entwickler von Free To Play-Titeln, mit Schwerpunkt auf Browser-Spiele. In einem Gespräch haben uns die Entwickler ihre Sicht auf die Monetarisierungskonzepte für Free To Play-Spiele geschildert und insbesondere am Beispiel ihres Browser- und Handyspiels Tiny Island erläutert.
 
Shareware durch In-App-Verkäufe
Hannes Beuck verglich im Gespräch gleich zu Beginn das heutige Free To Play-Modell mit dem Shareware-Konzept, wie es früher auf dem PC üblich war, beispielsweise in populären Spielen wie Doom oder Commander Keen. Seinerzeit haben einige Entwickler einen Teil ihres Spiels kostenfrei verfügbar gemacht – im Fall von Commander Keen gleich die ganzen Teile 1 und 4, im Fall von Doom das erste Kapitel des Spiels. So konnten Spieler die Spiele ohne zu zahlen und ohne die üblichen Beschränkungen einer Demo-Version kennen lernen und dann entscheiden, ob sie für den Rest zahlen wollen. Ähnlich funktioniert nach Hannes Beuck auch das Free To Play-Konzept, denn auch hier kann der Spieler sich erst einmal ohne feste Schranken mit dem Spielkonzept vertraut machen, bevor sie entscheiden, ob sie für das Spiel zahlen möchten. Hingegen hält Beuck das klassische Retail-Konzept, 60€ für ein Spiel auszugeben und dann eventuell festzustellen, dass man das Spiel gar nicht mag, für weniger fair.

Zahle nur, soviel du spielst
Konkret im Falle von Tiny Island, einer Mischung aus Rollenspiel und Puzzlespiel, zieht Beuck vor allem Parallelen zu anderen, Abo-basierten Online-Spielen wie World of Warcraft. Spieler, die nur wenig spielen, können das bei Tiny Island kostenfrei oder mit nur geringen Kosten tun, hingegen zahlen diejenigen Spieler, die das Spiel mehr spielen, auch mehr. Besonders, wenn man mal in Urlaub fährt und das Spiel erst anschließend weiter spielen möchte, schlage das stark zu Buche, denn man müsse sich keine Gedanken darüber machen, ob man das Abo unterbrechen oder kündigen könne, ohne seinen Spielfortschritt zu verlieren. Playa Games sieht Spiele als Service-Leistung und nicht als Produkte an und aus dieser Sichtweise heraus wird auch die Monetarisierung betrachtet.

Neue Spielmöglichkeiten durch In-App-Verkäufe
Bei Tiny Island hat das Studio im Wesentlichen zwei Monetarisierungsmöglichkeiten eingebaut. Zunächst einmal muss man jeweils nach fünf Spielen eine Pause einlegen, wenn man nicht eine Spielmünze ausgibt, um eine weitere Spielrunde zu spielen. Weiterhin kann man von den gleichen Spielmünzen neue Ausrüstungsgegenstände kaufen und im Shop die Auswahl an Items, die man kaufen kann, neu auswürfeln lassen. Das Auswürfeln ist ein weiterer Punkt, in dem Playa Games einen Vorteil des Free To Play Konzepts sieht. Das Auswürfeln würde ohne einen Gegenwert keinen Sinn ergeben, da man einfach so lange würfeln lassen könnte, bis man die Items erwerben kann, die man haben möchte, Beuck betont also, dass sich so eine neue Gameplay-Möglichkeit ergibt.

Rettet die Wale!
In Anbetracht der Vorteile, die Playa Games für den Spieler im Free To Play-Geschäftsmodell sieht, ergab sich natürlich schnell die Frage, wieso man das Spiel für Spieler, die es wirklich gern spielen, nicht auch als Kaufversion anbietet, so dass man beispielsweise für einen Preis von 60€ - dem üblichen Preis für Vollpreisspiele – dauerhaft ohne Wartezeiten spielen kann. Zunächst einmal begründet Beuck das mit der Erwartung der Spieler, wenn sie ein Spiel „kaufen“, dass sie es auch dauerhaft spielen können. Bei einem Online-Spiel möchte man sich allerdings die Option offen halten, die Server irgendwann abzuschalten – auch wenn das bislang noch bei keinem Spiel von Playa Games der Fall gewesen sei. Das wahrscheinlich viel gewichtigere Problem für Playa Games bei einem solchen Modell wäre allerdings, wie Beuck zugibt, dass man die Spiele wahrscheinlich nicht finanzieren könnte, ohne die etwa fünf Prozent der Spieler, die für das Spiel Geld ausgeben – insbesondere diejenigen Spieler, die sehr große Summen, weit jenseits der üblichen Preise für Retail-Spiele, ausgeben.

Wie plant man ein Free To Play Spiel?
Die Monetarisierung eines Spiels muss bei Playa Games direkt von Beginn des Spieldesigns an mit bedacht und eingeplant werden und beeinflusst somit von Anfang an, wie das Spiel sich spielt. Wichtig ist dabei ein faires Preismodell, was durch Free To Play möglich gemacht wird, aber nicht zwingend erreicht wird. Beuck betont allerdings, dass seiner Ansicht nach eine direkte Regulierung des Marktes durch Gesetze nicht notwendig sei. Tatsächlich glaubt man bei Playa Games, dass Spiele nur erfolgreich sein können, wenn sie ein faires Preismodell haben und es im Spiel gegen andere Spieler nicht möglich ist, sich den Sieg zu erkaufen. Konkret bei Tiny Island werde das dadurch sichergestellt, dass die Statuswerte der Spieler im PvP-Match angepasst werden, man also nur sehr kleine Vorteile durch bessere Rüstungen und höhere Level erhält. Beuck glaubt, dass auf diese Weise Free To Play zum Gewinn auch für den Spieler werden kann und dass der Markt sich erfolgreich selbst reguliere.

Wie steht ihr zu den beschriebenen Monetarisierungstechniken? Stimmt ihr Hannes Beuck in seiner Einschätzung zu, was seht ihr anders? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!
 Autor:
Sebastian Küpper
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