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Nintendo, du alter Spielverderber?!

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Es gibt einige Wege und Möglichkeiten, um sich unbeliebt zu machen: Man könnte beispielsweise einer unbekannten Person in der Fußgängerzone ein Vorhängeschloss durch den Ohrring hängen, den Schlüssel einstecken und wegrennen. Man könnte beispielsweise täglich einen Brief an die Stadtverwaltung schreiben und - den neuen Rechtschreiberegeln folgend - auf den Rechtsschreibfehler auf dem "Stop"-Schild (nein!) hinweisen. Man könnte eine Twitter-Kampagne gegen die großen deutschen Let’s Player starten und hinterfragen, wie groß der Einfluss der Publisher auf die Inhalte der YouTube-Stars ist. Oder man macht es wie Nintendo und bekämpft das Internet.
 
Mithilfe der Unity Engine ließ (Hobby-)Entwickler Roystan Ross den beliebten Nintendo 64-Klassiker Super Mario 64 wiederaufleben. Fast zwanzig Jahre sind seit dem ersten Release vergangen - Ross hat nun die erste Welt fast 1:1 umgesetzt und im Browser spielbar gemacht. Scharfe Texturen und detailreiche Figuren - eine Menge Arbeit, die Roystan Ross in den vergangenen Tagen viel Aufmerksamkeit und Lob einbrachte. 
 
Das Projekt ist nun, kurze Zeit später, allerdings nicht mehr erreichbar, denn die Rechtsabteilung von Nintendo hat der Sache einen Riegel vorgeschoben. Problematisch war nach Ross’ Aussage vor allem die Nutzung von Dateien, Sounds und Meshes  aus anderen Mario-Spielen. Aufgrund des Vorwurfs einer Urheberrechtsverletzung wurden die Inhalte nun entfernt. Ross selbst hat absolutes Verständnis für Nintendos Vorgehen: "Nintendo hat kürzlich einen Deal abgeschlossen, mit dessen Hilfe sie einige ihrer IPs auf mobilen Plattformen bringen werden. Daher ist eine portable Version von Mario 64 sicher nicht in deren Interesse. […] Alle, die es interessant fanden und noch nie das originale Mario 64 gespielt haben, können es über Nintendos Virtual Console nachholen."
 
Warum macht Nintendo das? Na klar, sie wollen ihre Marken schützen und das müssen sie sogar. Keine Frage! Aber gab es hier wirklich keine Möglichkeit beide Augen zuzudrücken? Immerhin kündigte der Entwickler bereits lange im Vorfeld an, dass er keine weiteren Level, geschweige denn das ganze Spiele, nachbauen wolle. Tatsächlich handelte es sich bei der Browser-Variante nicht um die komplette Umsetzung des ersten Levels - grafisch vielleicht ja, aber sicher nicht spielerisch, also bezogen auf die Aufgaben und Spieldauer. Muss an dieser Stelle also unbedingt mit dem Dammbruch-Argument argumentiert werden, also dass ein einmaliges "Tolerieren" zu einer künftigen Flut an Nintendo-Copyright-Verletzungen im Internet führen würde? Die Folgen für Nintendo sind leicht nachzumessen. Zwar hat man nun das Projekt aus dem Netz entfernen lassen können, doch die aktuellen Schlagzeilen dürften bei dem einen oder anderen ein negatives Bild von Nintendo manifestieren. In einem Kommentar heißt es: "Anstatt das Internet zu nutzen, bekämpfen sie es. [...] Es geht um ein Spiel, das seit zehn Jahren nicht mehr beachtet wurde - jetzt sind tausende Leute plötzlich wieder an diesem Mario-Teil interessiert. Leute, die eine Wii U und Mario 3D World kaufen könnten."
 
Die aktuellen Nintendo-Schlagzeilen bei Google-News
 
Natürlich gibt es einige Internetnutzer, die in den Kommentarspalten ihr volles Verständnis für den Schritt von Nintendo zum Ausdruck bringen. Die Marken müssen geschützt werden, klar. Aber geht es nicht auch anders? Ja, es geht! Niemand verlangt von Nintendo, dass sie jeden x-beliebigen Hobbyprogrammierer mit ihren Marken experimentieren lassen. Allerdings schaffen es andere Firmen durchaus, eine gesündere Einstellung zu manchen Fan-Projekten zu entwickeln. So wird in Kürze eine, von Entwickler Valve tolerierte, Fan-Mod zu Half-Life 2 über Steam erhältlich sein. Was für eine Mod? Nun, ein Fan hat die vergangenen Jahre damit verbracht eine grafisch verbesserte Version von Half-Life 2 zu entwickeln...
 
Viele Grüße,
Joshua Hampf
 Autor:
Joshua Hampf
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