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"Es ist mein Zelda"

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Viel zu lange sah man Open World-Spiele als die Art Spiel an, in denen man große, leere Welten durchläuft, um Gegner zu töten und Cutscenes anzugucken. Breath of the Wild führt das ein, was man zuallervorderst erwarten sollte: Gameplay. Interaktion. Spiel. Weg von der Passivität, weg vom Filmspiel, bei dem auch die Freundin abends gern zuguckt, weil es in der Tat nicht mehr ums „Spiel“ geht, sondern es die neue Folge von The Walking Dead oder Game of Thrones ersetzt. Das neue Zelda verzichtet auf extensive Story-Sequenzen und wirbelt den Spieler in ein unbekanntes, fremdartiges Hyrule. Hier, zieh dich an, nimm diese Shiekah-Platte (was?!) und verlass´ die Höhle. Und dann … geh´ wohin du willst! So und nicht anders beginnt das neue Abenteuer von Link. Nintendo hätte kein besseres Präsentationsformat wählen können als den Treehouse Live-Stream. Wie sonst sollte man deutlich machen, wie tiefgreifend in diesem Spiel das Prinzip von „Emergent Gameplay“ (komplexe Situationen, die sich aus der eigenen Aktion heraus ergeben) verankert ist. Mehrmals wird die Demo von vorne gestartet, jedesmal wird ein anderer Weg eingeschlagen, und jedes Mal trifft man völlig andere Situationen an. Man muss sich das mal begreiflich machen: Über fünf Stunden haben die Leute von Nintendo Treehouse im Demo-Gebiet, das 1-2% der gesamten Welt ausmacht, verbracht, dazu die ausgiebigen Videos unabhängiger Websites, all das ohne Story-Cutscenes, und dennoch war das, was man sehen konnte, durch die Bank weg unterhaltsam und abwechslungsreich. Und doch fühlt man sich kaum gespoilert, weil jede Situation so sehr von der Entscheidung des Spielers abhgängig ist und sich je nachdem ohnehin anders gestaltet, sich eine ganz eigene Geschichte über die eigenen Aktionen ergibt. „Show, don´t tell!“ wird in diesem Spiel so extravagant gelebt wie selten sonst.
 
Jede Aktion hat einen Sinn und zumeist mehrere mögliche Konsequenzen. Ein paar davon kommen in den animierten Grafiken, die diesen Artikel begleiten, hoffentlich eindrücklich zur Geltung. Es wird dauern, bis der Gedanke zu jedem durchgedrungen ist, allein schon ob der enormen Antipathie gegenüber „leistungsschwachen“ Konsolen. Es darf ja schließlich nicht sein, dass eine Revolution auf der Verlierer-Konsole von Nintendo stattfindet. Und doch ist genau das der Fall. Ich bin 100%ig zuversichtlich, dass sich das Genre der Open World-Spiele ab dieser E3 grundlegend wandeln wird, inspiriert von Breath of the Wild. Das wird mit Sicherheit immer wieder abgestritten werden aus vorher genannten Gründen, oder aber es wird beanstandet, dass man doch auch in anderen Spielen schon Gras anzünden, auf Bäume klettern oder mit einem Gleiter durch die Luft fliegen konnte. Richtig. Aber nicht in EINEM einzelnen Spiel. Hier kommt der Gedanke zum Tragen, der für mich früher, als die Zelda-Franchise noch in ihrer Blüte stand, nämlich, dass Zelda-Spiele die Kulmination der Videospielindustrie darstellen. Dieser Aspekt, dass Zelda allumfassend das tut, was sonst nur viele Spiele zusammen bieten können. Das ist der Punkt, der für mich die Zelda-Serie einzigartig gemacht hat. Alle anderen Spiele bieten eine bestimmte Gameplay-Richtung an, Zelda bietet alles. Und nach den Wirren von Skyward Sword und der Belanglosigkeit von Twilight Princess ist man endlich wieder dort angelangt. Kommende Open World-Spiele werden ihren Fokus auf größtmögliche Interaktion mit der Spielwelt und den darin befindlichen Objekten legen, inspiriert von Zelda. So wie schon damals dank Ocarina of Time ein Ruck durch die Industrie ging.
 Autor:
Maximilian Edlfurtner
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